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Eröffnungsfeier am 5. September 2017 - Helenenstift Hage für die Zukunft gerüstet!

Ministerin Rundt: „Durchgeknallte Typen“ haben mir im Jahre 2014 in Hannover das Projekt Heimathafen vorgestellt

Hage. Voll des Lobes über das Gesamtkonzept des am Dienstag Abend eingeweihten „Heimathafens“ beim Helenenstift Hage zeigte sich Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Zugleich bekannte die Schirmherrin offen, dass die enorme inhaltliche Tiefe des Projektes ihr Ministerium in Hannover fast überfordert hätte.

Ministerin Rundt berichtete vor den zahlreich geladenen Gästen, den Heimbewohnern selber und der sehr stark Anteil nehmenden Hager Bevölkerung, dass sie „eigentlich durchgeknallte Typen mag“. Doch ein so ehrgeiziges Projekt, wie es ihr die aus Hage angereiste Delegation im Jahre 2014 präsentierte, sei ihr bisher noch nicht vorgestellt worden; es sei deshalb auch landesweit einmalig. Das Angebot des „Heimathafens“ entspreche ihrer Idealvorstellung von einer inklusiven Gesellschaft; an anderen Orten seien leider nur Teilbereiche dieses Projektes verwirklicht.

Im Ortskern des Fleckens Hage konnte der Landkreis Aurich im Dezember 2013 das ca. 2200 qm große Areal der früheren Schlachterei Hahn erwerben, das sich an der Hager Hauptstraße gegenüber dem Gebäudekomplex Helenenstift befindet. Die dann erstellte Planung, die noch unter dem Arbeitstitel „Wohn- und KulturRaum – Offene Werkstätten Hage“ lief, beinhaltet sowohl barrierefreie Wohnungen als auch Werk- und Kursräume sowie ein Café mit ca. 40 Plätzen, das als Anlauf- und Begegnungsstelle für viele Projekte dienen soll.

Wie Geschäftsführer Heinrich de Vries und Ministerin Rundt erläuterten, würden damit die Themen Wohnen/Pflege, Eingliederung, Migration und Kultur auf einmalige Weise zusammengeführt. Allgemeines Zustimmung fand auch die Wortwahl für die neuen Angebote: „Heimathafen“ stehe für gemeinschaftliches Leben, aber eben auch für Aktivität und Neues entdecken.

De Vries berichtete denn auch, dass die älteren Menschen – vielfach auch aus Nordrhein-Westfalen -, die Hage für ihren Alterssitz erkoren hätten, gezielt nach solchen Angeboten fragen würden; habe früher der Bereich Pflege im Mittelpunkt gestanden, so suchten die Menschen heute im Alter eben auch nach Aktivitäten und Zerstreuung.

Voll des Lobes waren auch die beiden anderen Festredner: Landrat Harm-Uwe Weber und Samtgemeindebürgermeister Johannes Trännapp, der aber zugleich zwei Wünsche an das Land formulierte. Zum einen solle sich das Land verstärkt dafür einsetzen, dass auch im ländlichen Raum mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde, zum anderen müsse die ärztliche Versorgung auf dem Land erhalten bleiben.

Ministerin Rundt ging darauf gleich ein und sagte, dass das Land ein Programm für den sozialen Wohnungsbau bis Ende 2019 aufgelegt habe, das mit einem Volumen von 800 Mio. Euro ausgestattet sei. Diese Mittel könnten auch für Vorhaben im ländlichen Raum abgerufen werden, für barrierefreies und altersgerechtes Wohnen gebe es sogar zusätzliche Fördermöglichkeiten.

Zum Thema Ärzteversorgung schränkte sie ein, dass die Selbstverwaltung die Zuständigkeit des Landes  einschränke; man sei aber mit der KV in Verhandlungen, die auch zugesagt habe, die Einzugsbereiche als Berechnungsgrundlage für niedergelassene Ärzte zu verkleinern, um damit zu verhindern, dass sich die Mediziner nicht mehr vornehmlich in den Oberzentren niederließen.

Und statt ein Drittel der Krankenhäuser in Niedersachsen zu schließen, wie das die Krankenkassen forderten, habe ihr Ministerium aktuell für die Sanierung von 40 kleineren Krankenhäusern Mittelzusagen erteilt. Im Bereich Pflege wurde Cornelia Rundt besonders deutlich: Die Öffnung des Marktes für private Pflegedienste sei ein großer Fehler gewesen, die Güte der Pflege und die Bezahlung des Pflegepersonals habe darunter gelitten. Niedersachsen bilde jetzt sogar das Schlusslicht in diesem Bereich, habe aber kaum Eingriffsmöglichkeiten, weil hier der Bund zuständig sei.

Die Eröffnungsfeier, die auf dem Vorplatz des Helenenstiftes stattfand, endete mit der Schlüsselübergabe für den Bereich „Heimathafen“, wobei kein überdimensionierter Schlüssel, sondern ein symbolischer Anker übergeben wurde. Danach konnten die neuen Räumlichkleiten besichtigt werden, darunter auch eine Musterwohnung.

Bei den weiteren Arbeiten befindet man sich weitestgehend im Zeitplan. Die untere Etage des Gebäudes, in dem es früher eine „Ihr-Platz“-Filiale gab, ist komplett fertig. Und im  Obergeschoss sind acht Wohnungen in etwa einem Monat bezugsfähig.

Das neue Café hat täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr für jedermann geöffnet. „Es wird Frühstück angeboten, und man kann bistrotypische Gerichte bekommen“, sagte Geschäftsführer de Vries. Mit seiner Eröffnung wurde die bisherige Caféteria im Helenenstift geschlossen.

In einem weiteren Bauabschnitt sollen zwei weitere Gebäude mit sechs bis zwölf Wohnungen entstehen. Nach der Fertigstellung aller Gebäude erfolgt die Eingrünung des Areals mit Sitzgelegenheiten und schattigen Plätzen.

Für die Beschäftigungstherapie stiftete die Heinz-und-Ilse-Ramm-Stiftung (Erbauer und Betreiber des Ferienparks Hage) spontan 10.000 Euro. In den Vorjahren hatte sie das Helenenstift bereits mit über 100.000 Euro bedacht. Insgesamt investiert der Landkreis in Hage 2,9 Mio. Euro.